Entwicklung des Internets

Weltkugel mit 2 Notebooks

Kuriose Sicht aufs Internet – Auch zum 1. April 

Das Internet ist aus unserem heutigen Leben nicht wegzudenken. Unsere Telefone funktionieren nicht mehr mit Analogem oder ISDN-Anschluss, sondern laufen als VoIP – Voice over IP – (Stimme per Internet-Protokoll), die tägliche Arbeit wird mithilfe von Computern oder anderen internetfähigen Geräten erledigt/unterstützt. 

Manch einer erinnert sich vielleicht an die Telekom DSL-Werbung „Tschüss Ladebalken“. Ich bin etwas zu jung, um die Anfangszeiten mitbekommen zu haben, mit 12 konnte ich ohne Probleme Webseiten aufrufen oder Videos gucken. Den Satz „geh aus dem Internet, ich muss telefonieren“ habe ich in meiner Kindheit vielleicht ein oder zweimal gehört. Wie sich das Internet – und der Zugang zu selbigem – entwickelt hat, ist einfach unglaublich. 

Was es jetzt schon gibt

Wo es mit einer Internetleitung von 2000 Kilobit/s anfing, was ein Novum der Technik mit Kupferleitungen war, so kann ich jetzt über meine Kupferleitung einen Anschluss mit bis zu 100 Megabit/s, das sind 100000 KByte/s, buchen. Und dann haben wir Glasfaser, welche Geschwindigkeiten bei „normalen“ Anschlüssen mit bis zu 1 Gigabit/s, das sind 1000000 Kb/s, bietet. Ist dies das Maximum, an welchem wir angekommen sind? 

2007 bekam eine Schwedin, Sigbritt Löthberg, einen Internetanschluss mit 40 Gb/s, die Umwandlung in KByte spare ich mir an dieser Stelle. Und sie benutzt ihn, um Zeitung zu lesen. Wie schnell ist das eigentlich? Sie könnte eine DVD in bester Qualität in zwei Sekunden herunterladen. Je nach Internetanschluss brauchen wir dafür Minuten bis hin zu Stunden. Ist dies jetzt das Maximum? 

Die NASA hat einen Internetanschluss mit einer Geschwindigkeit von 91 Gb/s. Zugegeben, dabei geht es größtenteils um den Datenaustausch mit Laboren und Forschungszentren auf der ganzen Welt, aber die Geschwindigkeit ist dennoch beeindruckend. Dies wurde als Alternative für das sogenannte SneakerNet geschaffen. 

SneakerNet (nicht von Converse) 

Was ist das SneakerNet? Kann ich dort Schuhe bestellen? 
SneakerNet bedeutet, dass Daten auf einem Datenträger, wie zum Beispiel einer Festplatte, einem USB-Stick, einer SD-Karte, etc., physisch von einem Ort zum anderen transportiert werden. Google in etwa benutzt diese Methode, um große Datenmengen von einem Rechenzentrum zu einem anderen zu transportieren. 

Aber Google ist doch mittlerweile auch ein Internetanbieter mit hohen Geschwindigkeiten (1 Gb/s für Privatkunden in den USA), warum brauchen die dann das SneakerNet? Die Entwicklung der Datengrößen.
Wenn ich ein Auto mit SD-Karten vollstopfe und jemanden damit quer durch Deutschland – oder sagen wir mal Europa – schicke, werde ich Daten in einer Menge transportieren können, die jede Internetleitung schlägt. 
Die derzeit größte Micro SD-Karte hält 1 Terabyte an Daten. Fülle ich damit einen Schuhkarton (Und ich bin sehr schlecht im Schätzen), passen vielleicht vierhundert Karten hinein. 
In einen Smart passen vielleicht 12 Schuhkartons (plus Fahrer. Wie gesagt, sehr schlecht im Schätzen), also insgesamt 4800 TB. 

Für die Fahrt von Köln nach London (Viel Spaß beim Zoll) braucht der Smart ca. 7 Stunden. Das entspricht einer Datenübertragungsrate von 1524 Gb/s, da kann kein Anschluss der Welt mithalten. 
Je größer das Auto, desto höher die Übertragungsrate. Google verwendet zum Glück große Festplatten in einem fertigen Steckverbund, somit muss niemand die Fummelei mit den SD-Karten über sich ergehen lassen. Oder man stellt ein paar arme Praktikanten dafür ein, die Karten einzusortieren. 

Internet vs. Brieftaube 

Meine Lieblingsversion des SneakerNet ist allerdings die RFC 1149 (RFC – Request for Comments, das sind Veröffentlichungen, in welchen mittlerweile die technischen Standards für das Internet festgelegt werden), welche IPoAC – IP over Avian Carriers (Lose übersetzt: Internet per Brieftaube) beschreibt. Diese wurde am 1. April 1990 von D. Waitzman vorgeschlagen und tatsächlich auch einige Male getestet. 

Getestet? Jawohl. 
Am 28. April 2001 wurden in Norwegen 9 Brieftauben mit „Paketen“ losgeschickt und kamen innerhalb von zwei Stunden an. Fünf der Pakete gingen unterwegs allerdings verloren, das entspricht einem Datenverlust von ungefähr 56%. 

Im November 2009 wurde in Australien ein Experiment durchgeführt, in welchem 700MB auf drei Arten über eine Strecke von 132 Kilometern transportiert werden sollten: 
– Eine Brieftaube mit einer Micro SD-Karte 
– Ein Auto mit einem USB-Stick 
– Eine Internetleitung von Telstra, Australiens größtem Internetanbieter 

Die Taube gewann das Rennen in einer Stunde und fünf Minuten, das Auto kam auf Platz zwei mit zwei Stunden und zehn Minuten, der Transfer über die Internetleitung konnte nicht abgeschlossen werden. Die Verbindung brach ab und musste neu gestartet werden, danach brach sie ein zweites Mal ab und konnte nicht wiederhergestellt werden. Zu keinem Zeitpunkt kam die angegebene Zeit des Uploads unter vier Stunden. 
Es wurden auch andere Tests durchgeführt, jeden davon gewann die Taube. 

Die Faszination mit IPoAC geht sogar so weit, dass die RFC mehrmals erweitert wurde. So ist sie mittlerweile IPv6-fähig und verschiedene mögliche Fehlerquellen wurden ermittelt, unter anderem: 
– Angriff durch Raubvögel RFC 2549: „Ungewollte Verkapselung in Falken ist möglich, die Entkapselung ist aufwändig und unappetitlich, die Datenpakete sind schwer lesbar“ 
– Die Vögel werden vom Weg abgebracht RFC1149: „Stürme können zu Datenverlust führen“ 
– Die Abwesenheit von geeigneten lokalen Vögeln RFC 6214: „An manchen Orten, wie Neuseeland, sind viele Datenübermittler nur zu kleinen Sprüngen fähig, dies auch nur, wenn kein starker Lichteinfluss besteht.“ <- Dies spielt auf die fluglosen nachtaktiven Kiwis an. 

Was als Aprilscherz begonnen hat, hat sich somit zu meinem kuriosen Lieblingsfakt des Internets entwickelt. Letztlich geht es am 1. April nicht drum, Leute zu veralbern, sondern Spaß zu haben. Manchmal leider auch auf Kosten anderer. 

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